Die Abifahrt...

Unser "Abenteuerurlaub", wie Frau Miller gelegentlich unsere Abschlußfahrt zu bezeichnen pflegte, begann mit der Abfahrt unseres Busses vor der Samuel-Heinicke Schule am Sonntag morgen um 7:15. "Wie lange dauert es eigentlich, bis 2 Promille abgebaut sind?" müssen sich wohl einige Schüler und Lehrer gefragt haben, als unser Busfahrer in Schlangenlinien auf der Autobahn Richtung Süden fuhr. Manchmal wusste man wirklich nicht ob der Spurwechsel gewollt oder ungewollt geschah. Noch mehr freuten wir uns über das spannende Versteckspiel mit der österreichischen Polizei, denn der Fahrer verriet uns, das ihm die notwendige Vignette zu teuer sei. Doch es kam wie es kommen musste: Kurz vor der Grenze wurde er von einem freundlichen österreichischen Grenzbeamten um 3000 Schilling erleichtert.
Irgendwo in Italien wurde auch die "Muppetshow" ihren Ruf als Chaoten einmal mehr gerecht als sie aufgrund eines spontanen MC DonaIds-Besuches beinahe die Abfahrt des Busses an der Raststätte verpaßt hätte. 900 Kilometer, 62 Beinah-Unfa11e und 13 Stunden Dauerbeschallung durch Frau Nimierza später erblickten wir dann endlich unser Hotel "Premier Class", dessen Name sich später noch als blanke Ironie entpuppen sollte. Einen Hauch von Luxus verspürte nur, wer die auf dem Flughafen auf der anderen Straßenseite geparkten Privatjets der Ölscheichs betrachtete. Die Erbauer des Hotels wollten sich wohl einen Eintrag ins "Guinessbuch der Rekorde" sichern, indem sie auf möglichst wenig Quadratmetern möglichst viele Betten unterbrachten...
Manchmal erinnerte uns die Unterkunft ein wenig an eine Strafanstalt: Die Fenster ließen sich (aus Schallschutzgründen) weder fur Geld noch gute Worte öffnen, weswegen sich in einigen Zimmern nach einigen Tagen ein etwas unangenehmer Geruch entwickelte, dem auch die Klimaanlage, die übrigens auf sensationelle 30 Grad herunterkühlte, nicht entgegenwirken konnte.
Eine weitere liebenswerte Eigenschaft des Hotels waren die zwei Aufzüge: Wenn am Morgen, alle Hotel-"Insassen" gleichzeitig zum Frühstück (1 Päckchen Butter und 1 Päckchen Marmelade) in die nahegelegene "Bar Sportif" drängten, konnte es manchmal schon eine viertel Stunde dauern, um in die Freiheit zu gelangen. Die Treppe, so wurde uns erklart, war eigentlich nur für den Notfall gedacht, was aber fast niemanden daran hinderte, sie trotzdem zu benutzen. Doch wollen wir die Vorteile des Hotels nicht verschweigen: Die Fahrt zum Besucherhügel am Münchener Flughafen können wir uns nun sparen, denn durch unsere Bullaugen in den Kajüten -größer waren die Zimmer wirklich nicht- konnten wir alle zwei Minuten Flugzeug starten oder landen sehen.
Abwechslung verschaffte uns ein Besuch in der Parfumerie in Grasse: seitdem wissen, nicht nur, wie Parfum hergestellt wird, sondern auch wohin das Geld von Millionen, Ehemännern fließt. Die Führung endete übrigens in einer Verkaufsveranstaltung, die Lehrer und Schüler gleichermaßen nutzten, um sich für die nächsten Jahre mit Parfum einzudecken.
Auch die Villa der reichen Witwe Rothschild, die ein bescheidenes Leben auf ihrem 4 Hekta großem Grundstück an der Cote d'Azur fuhrte, und die große russische Kathedrale in Niza standen auf unserem Besichtigungsprogramm.
Ach ja, die im Werbeprospekt des Reisebüros angepriesenen 150 Meter zum Strand durfte man nicht zu wörtlich nehmen. Denn die Flughafenpolizei hätte sicherlich Bedenken angemeldet, wenn unsere Reisegruppe über die Rollbahn zum Meer marschiert wäre. Da blieb uns dann leider nur der 20-Minuten-Marsch entlang der "Promenade des Anglais".
Und wohin und mit welchem Verkehrsmittel nächstes Jahr? Am besten in ein Hotel am Flughafen. Mit der S-Bahn.

Stefan

© 07/2001  inp - das Infonetzwerk   webmeister: electrique